| | Der heilige Wendelin
Der heilige Wendelin zählt zu den ersten Missionaren im Frankenreich des 6. Jahrhun- derts. Er lebte um 570 als Mönch oder Einsiedler in den Vogesen. Spuren oder gar sichere Quellen über seine Tätigkeit in unserem Raum gibt es nicht. Glaubt man alten Überlieferun- gen, soll der Missionar um 617 gestorben sein. Sein Grab befindet sich seit dem 11. Jahr- hundert im saarländischen Sankt Wendel.
Der Mönch Wendelin - sein Name bedeutet im Alhochdeutschen "Wanderer oder Pilger" - wurde schnell zu einem bedeutenden Kapellen- und Wallfahrtsheiligen. Vor allem im ala- mannisch-fränkischen Raum stieg er zum Volksheiligen auf und galt schon sehr früh als Patron der Landleute sowie für Flur und Vieh. Deswegen wird Wendelin stets als Hirte mit Stab und Tasche dargestellt. Ein Gemälde im Erzbischöflichen Museum zu Utrecht zeigt ihn vor einer Klause sitzend - umgeben von Lämmer, Rinder und Schweinen, im Hinter- grund sind die Türme von Tholey oder Sankt Wendel zu sehen.
Grund für diese Darstellung ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende legendäre Vita, die Wendelin zu einem iroschottischen Königssohn und Abt von Tholey machte: Standes- gemäß erzogen, verließ er seine Heimat im ärmlichen Pilgerkleid, um die heiligen Stätten in Rom aufzusuchen. Auf seinem Weg zurück kam er auch durch die Vogesen, wo er in der Stille der Wälder eine Klause gründete. Als Schweine- und Kuhhirt verdiente er sich sein täglich Brot. Als er eines Tages kein Wasser mehr für die Tiere fand, stieß er, so die Legende, voll Gottvertrauen mit dem Stab in die Erde, wo sich plötzlich eine Quelle auftat.
Noch heute trägt diese Stelle den Namen Wendelinsbrunnen und wird von Menschen fleißig besucht, da das Wasser Krankheiten von Mensch und Tier abwenden soll. Jahre später lebte Wendelin dann als Einsiedlerbruder des Klosters Tholey.
Da er viel von Tieren verstand, kamen die Bauern zu ihm, wenn sie wegen ihres Viehs in Nöten waren oder Viehseuchen drohten. Bereits zu Lebzeiten wurde er ob seiner Wundertaten als Heiliger verehrt. Die Mönche des Klosters Tholey wählten ihn schließlich zum Abt, ein Amt, das er noch 20 Jahre innehatte. Nach seiner Beisetzung soll man seinen Leichnam am nächsten Tag unversehrt neben dem Grab gefunden haben. Dies wurde als Zeichen gedeutet, dass Wendelin woanders begraben werden wollte. Darauf zogen Ochsen den Karren, auf den die Mönche den Leichnam geladen hatten, auf einen Berg, wo Wendelin endgültig bestattet wurde. Andere Legenden sprechen wiederum davon, dass der Heilige in seiner alten Klause begraben worden sei.
Sicher ist nur, dass die Begräbnisstätte schnell zu einem beliebten Pilgerziel wurde. Die inzwischen errichtete Kapelle wurde durch fromme Schenkungen erweitert, um sie herum entstanden Pilgerhäuser. Immer mehr Menschen siedelten sich an, so dass der Ort bereits im 14. Jahrhundert mit den Stadtrechten und dem Namen des Heiligen ausgestattet wurde - der heutige Wallfahrtsort St. Wendel im Saarland.
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