| | Die katholische Pfarrkiche St. Wendelin
In frühen Geschichtsquellen ist zu lesen, dass Reilingen kirchlich gesehen zur Georgspfarrei in Hockenheim gehörte und am Ort keine Gottesdienste stattfanden. Ein Kapellenbau in Reilingen wurde erstmals "uff Donnerstag nach sant Peterstag anno dom. 1446" erwähnt, als Pfalzgraf Otto in Mosbach einen Brief verfasste, in dem er "unsers dorffleins Reutlingen, by Wersaw gelegen" erwähnte, wo "ein neu Kapell in Ere sant Wendels des heyligen beichtigers" geweiht werden sollte. Von einer richtigen Pfarrkirche in Reilingen ist aber erstmals im Jahr 1451 zu lesen: "ecclesia parochialis Sancti Wendalini confessoris in Ruttlingen Spirensis dyocesis".
Die kirchenrechtlich zum Bistum Speyer gehörende Pfarrgemeinde hatten in der Zeit nach der Reformation immer wieder mit den kurpfälzischen Landesherren auch die Religion zu wechseln. Die Wendelinskirche in Reilingen wurde so durch die Kurpfälzische Religions- deklaration vom 21. November 1705 den Protestanten zugesprochen, die Reilinger Katholiken wurden der Hockenheimer Georgskirche zugeteilt.
In einer Eingabe vom 21. Mai 1738 an den Kurfürsten suchten die 212 Katholiken in 41 Familien darum nach, wieder einen eigenen Sonn- und Feiertagsgottesdienst in Reilingen abhalten zu dürfen, was aber mit der Begründung abgelehnt wurde, dass "Reylingen nur eine halbe Stunde von Hockenheim und nicht viel weither von Schwetzingen und Walldorff entlegen" sei. Dem bischöfliche Ordinariat in Speyer gelang es 1743 nach zahllosen diplomatischen Verhandlungen, für Reilingen "die Concession, in der unter dem Rathaus erfindlichen alten Capell sacra administriren zu lassen" zu erwirken.
Mit den Jahren wurde die Wendelinskapelle beim alten Rathaus in der Unteren Hauptstraße zu klein, aber erst 1787 dem Neubau einer neuen katholischen Kirche zugestimmt. Wahrscheinlich recht schlampig gebaut, wurde 100 Jahre später der Kirchenturm bereits als baufällig bezeichnet. Das zuständige Erzbischöfliche Bauamt in Heidelberg und die katholische Gemeindeversammlung in Reilingen sprachen sich dafür aus, die neue Wendelinskirche "auf dem Platz längs einer in allernächster Zeit zu eröffnenden Straße bei der neuen evangelischen Kinderschule" zu bauen.
Als Kirchenbauplatz wurde am 1. Februar 1894 zunächst die Anwesen des Jakob Eichhorn III, des Josef Kneis IV und des Küfers Adam Nikolaus Claus erworben, am 9. November 1899 noch das Anwesen der Metzgerei Feist-Kahn Wwe. hinzugekauf. So standen für den Kirchenneubau 26,68 Ar zur Verfügung.
Nach Genehmigung der Baupläne wurden die Bauaufträge am 23. März 1901 erteilt. Der Einzug in die neue Kirche erfolgte schließlich am 4. Adventssonntag 1903. Die feierliche Konsekration (Weihe) der Kirche wurde von Weihbischof Dr. Friedrich Justus Knecht im Mai 1905 vorgenommen.
Seitdem überragt die Wendelinskirche weithin sichtbar den Ort und stellt inzwischen ein sehenswertes Baudenkmal dar. Die in den spätgotischen Formen des 15. Jahrhunderts erbaute Kirche ist dreischiffig, hat nahezu 700 Sitz- und etwa 200 Stehplätze. Der in der Westfront in der Mittelachse angeordnete Turm bildet den Zugang zum Kirchenschiff.
Einen zum Stil der Kirche passenden Hochalter, der empor strebt zur gewaltigen, in blau gefaßten und mit Sternen geschmückten Kreuzgewölbedecke, lieferte der Schwetzinger Altarbauer Allert. Der Hochchor erhielt einen wertvollen Schmuck durch figürliche Glasmalereien. Die die Kirche prägende Glasmalerei des Mittelfensters stiftete Großherzog Friedrich I. der Wendelinspfarrei.
Die alte Wendelinskirche auf dem heutigen Dorfplatz wurde 1904 abgerissen, das Gelände an die politische Gemeinde verkauft. | | |